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Mittwoch, 09.01.2008 - Sonstiges > Thailand > Bangkok

Buchempfehlung: The World Without Us



Zurück in Bangkok, habe ich nun noch einige Tage zur freien Verfügung, bevor es nach 3 1/2 Monaten letztendlich wieder zurück in das mittlerweile winterlich kalte Europa geht. Die verbleibende Zeit werde ich u.a. dazu nutzen, einige bislang liegen gebliebene Beiträge hier im KAHUNABLOG zu veröffentlichen. Den Anfang macht ein kurzes Review des Bestsellers "The World Without Us" von Alan Weisman (erschienen bei Thomas Dunne Books).

"The World Without Us" ist ein ungewöhnliches Buch insofern, als dass Menschen in dieser Mischung aus Belletristik und Sachbuch nur sehr bedingt eine Rolle spielen. Denn der Autor beschäftigt sich mit der zentralen Fragestellung, was mit dem Planet Erde passieren würde, wenn die Menschheit von einem auf den anderen Tag verschwinden würde, unabhängig davon, ob dafür Kriege, ein nur für Menschen tödlicher Virus, ein Meteoriteneinschlag oder sonstige (Natur-)Katastrophen verantwortlich wären.

Alan Weisman geht der Frage nach, wie wohl Flora und Fauna des Planeten auf eine derart abrupte Änderung reagieren würden und welche Auswirkungen das bisherige Wirken der Menschheit auf die Zukunft der Erde hätte, selbst wenn die Menschheit nicht mehr existieren würde. In insgesamt 4 Kapiteln geht der Autor näher auf dieses Gedankenspiel ein.

Alan Weisman beschreibt detailliert, wie unsere Häuser, Städte und die gesamte Infrastruktur ohne Wartung schon nach kurzer Zeit dem Zerfall ausgesetzt sind. Pumpsysteme, die Straßen- und U-Bahn-Tunnel von Grundwasser freihalten, sind ohne Energie natürlich wirkungslos. In New York City würden z.B. markante Straßenzüge der Stadt einfallen und Platz für neue Wasserläufe machen. Die Natur würde Viertel für Viertel die Städte zurückerobern und es ist von einem Widererstarken bislang bedrohter Arten auszugehen. Gleichzeitig werden jedoch vom Menschen abhängige bzw. domestizierte Tier- und Pflanzenarten (Ratten, Kakerlaken, Milchkühe etc.) kaum dauerhaft überleben können. Weitere Beispiele, anhand derer der Zerfall demonstriert wird, sind die durch die Ölindustrie geprägten Vororte von Houston, Istanbul nach einem Erdbeben und der Panamakanal, wo ohne Eingriff des Menschen Dammbrüche über kurz oder lang möglich werden.

Der Autor zeigt auf, welche Handlungen des Menschen kurzfristige Auswirkungen (FCKW -> Ozonloch), welche wesentlich längerfristige Auswirkungen haben (z.B. die Produktion von Plastiktüten, die [bislang] nicht biologisch abbaubar sind) und welche Spuren der Menschheit noch nach Tausenden, ja Hundertausenden von Jahren sichtbar sein werden.

Positiv ist, dass die getroffenen Aussagen und Fallbeispiele nicht nur auf wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen basieren, sondern der Autor zahlreiche Orte weltweit aufgesucht hat, wo der Mensch seit Jahrzehnten nicht mehr oder nur noch sehr begrenzt in die Umwelt eingreift. Beispiele dafür sind u.a. die DMZ zwischen Nord- und Südkorea, die bei einer Wiedervereinigung der beiden Staaten wohl direkt in ein Naturschutzgebiet umgewandelt wird; die ehemalige Touristenstadt Varasha auf Zypern, die nach den militärischen Auseinandersetzungen zwischen Griechenland und der Türkei brachliegt sowie ein Waldgebiet in Polen und Weissrussland, welches weitgehend noch im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist.

Die Themen, denen der Autor sich auf 324 Seiten annimmt, sind äusserst vielfältig und regen oftmals zum Nachdenken an. Trotz der Unmenge an präsentierten Fakten, ist "The World Without Us" dank der langjährigen schriftstellerischen Erfahrung von Alan Weisman ein sehr lesenswertes Werk geworden. Stellenweise ähnelt das Buch fast schon mehr einem Thriller, keineswegs aber einer trockenen wissenschaftlichen Abhandlung eines Was-Wäre-Wenn-Szenarios.



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