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Donnerstag, 09.08.2007 - Sonstiges > Deutschland > Berlin

San Sombrero - Mittelamerikas vergessenes Juwel



Nach den beiden Bestsellern "Molwanien" und "Phaic Tan" (über 1 Mio. mal verkauft!) hat der jetlag-Verlag auf dem Markt der Reiseführer erneut zugeschlagen. Im Frühjahr diesen Jahres erschien unter dem Namen "San Sombr?ro - Karibik, Karneval und Kakerlaken" der dritte Reiseführer, der sich in einem unglaublich humorvollen und zugleich ziemlich sarkastischem Stil mit dem gleichnamigen Land im Herzen Mittelamerikas beschäftigt, wobei beliebte Reiseführer-Reihen - wie z.B. Lonely Planet oder Rough Guides - gehörig auf die Schippe genommen werden. In Deutschland ist das Buch unter der ISBN "978-3453121164" bei Heyne erschienen.

Wie in den beiden Vorgängern entspricht dieser Reiseführer vom Aufbau her exakt einem "normalen" Reiseführer. Es gibt 6 Kapitel, in den zunächst das Land San Sombr?ro als solches vorgestellt wird. Man erfährt vieles zur Geschichte, Lage, Flora&Fauna, Kunst&Kultur und den Menschen von San Sombr?ro und erhält nützliche Tipps für Sicherheit, Anreise, Gesundheit und die Fortbewegung im Land. In 5 weiteren Kapiteln wird dann näher auf die Landesteile "Cucaracha City", "Guacomala", "San Abandonio", "Lambarda" und "Maracca" eingegangen, jeweils mit detaillierten Sightseeing- und Hotel-Empfehlungen. Ergänzt wird dies noch durch diverse Karten, zahlreiche Farbfotos und eine Vorstellung der Autoren.

Doch so sehr das Buch auf dem ersten Blick einem gewöhnlichen Reiseführer ähneln mag, "San Sombr?ro" ist alles andere als eine Kopie von Lonely Planet und Co. Vielmehr ist dies ein Buch zu einem _rein fiktiven_ Land. Ein "San Sombr?ro" gibt es natürlich nicht. Weder in Mittelamerika, noch anderswo auf der Welt.

Stattdessen wird von den Autoren dieser fiktive Staat erschaffen, um einmal so richtig über die stets gleich eintönig aufgebauten, sehr faktenorientierten Reiseführer herziehen zu können und zugleich typische Klischees zu Reisenden und den Menschen in dieser Region ordentlich durch den Kakao zu ziehen. Und nach "Molwanien" und "Phaic Tan" sind die Autoren darin bestens eingeübt.

Ein paar Beispiele aus dem Buch:


  • Vorstellung von "Justac van der Kllinffhooven" im Abschnitt "Die Verfasser":
    "[Er] sollte eigentlich die Karten zeichnen, tat aber letztendlich nicht viel mehr, als Büromaterial mitgehen zu lassen, Taxi-Gutscheine zu fordern und sich darüber zu beschweren, dass niemand seinen Nachnamen aussprechen konnte. Er wird nur als Verfasser genannt, weil er im Gegenzug seine Klage wegen ungerechtfertigter Entlassung fallen lässt...".
  • Landesporträt:
    Wie bringt man ein Land wie San Sombr?ro auf den Punkt? "Betörend"? "Pulsierend"? "Ein magischer Mix aus dem Charme der Moderne und den Epidemien der Alten Welt"?
  • Zum Namen von "San Sombr?ro":
    "Der volle und korrekte Name San Sombr?ros" ist [...] Freie Vereinigte Demokratische Volksrepublik San Sombr?ro. Bürger, die nicht diesen offiziellen Titel verwenden, können unter gewissen Umständen ohne Haftbefehl ins Gefängnis geworfen werden."

Dieser Wortwitz zieht sich durch das gesamte Buch und es ist schon beeindruckend, mit wieviel Kreativität die Autoren diesen fiktiven Staat zum Leben erwecken, denn alle Fakten des Buches müssen natürlich wie bei einem echten Reiseführer schlüssig sein. San Sombr?ro ist dabei ein wirklich absurder Staat, mit innovativen Bauern, die neuerdings auch "koffeinfreies Kokain" anbieten; Billigairlines, die Preisnachlässe geben, wenn man beim Flug auf der Toilette sitzt uvm.

Die einzelnen Autoren vertreten dann auch noch verschiedene Reisetypen, vom verwegenen Abenteurer Philippe Miseree, der mit jedem Einheimischen in der Landessprache sprechen will und deshalb auch schon einmal im Gefängnis landet, bis zu Tina Payne, deren Autobiographie den schönen Titel "Reise des Schreckens" trägt und die Vorsitzende einer Selbsthilfegruppe für besorgte Reisende" ist...

Zwar habe ich die letzten beiden Bücher nur in der englischen Originalfassung gelesen, doch auch in dieser deutschen Übersetzung von "San Sombr?ro" gibt es für den Leser noch genug zu lachen. Optimal ist das Buch somit sicherlich für den Sommerurlaub geeignet, z.B. für lange Bahnfahrten und Flüge oder auch einen entspannten Tag am Strand.

"San Sombr?ro" kostet als Taschenbuch ca. 15 EUR und kann bei Amazon.de bestellt werden. Als Gratis-Zugabe gibt es den "HOT-Guide". Mehr dazu und Infos zu den echten Autoren Santo Cilauro, Tom Gleisner und Rob Sitch sind direkt bei jetlag travel zu finden.

Wer davon nicht genug haben kann, der sollte sich auch die Vorgänger "Molwanien" und "Phaic Tan" anschauen. Weitere (allerdings nicht wirklich geplante) Nachfolger werden am Ende des Buches angekündigt: "Costa Protza" (Monaco), "Alpenstein" (Lichtenstein), "Tyrannistan" und einige mehr. ;-)

UPDATE: Es gibt sogar eine offizielle Webseite zum Buch: http://www.sansombrero.de/
Dort sind viele exklusive Informationen und Fotos zum Land frei erhältlich.



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